Verkehrswende - was ist das eigentlich genau? JPS 2021-08-05

Als Verkehrswende (Mobilitätswende) wird der Prozess bezeichnet, Verkehr und Mobilität auf nachhaltige Energieträger, sanfte Mobilitätsnutzung und eine Vernetzung verschiedener Formen des Individualverkehrs und des öffentlichen Personennahverkehrs umzustellen. Sie beinhaltet auch einen kulturellen Wandel, eine Umverteilung des öffentlichen Raums und eine Umleitung von Geldströmen. Eine solche Verkehrswende bezieht auch den Güterverkehr ein.

Hauptmotivation für eine Verkehrswende ist die Reduzierung von verkehrsbedingten Umwelt- und Personenschäden.

Die Diskussion über dringend notwendige Maßnahmen verläuft zu undifferenziert!

Im Fokus der Betrachtungen steht nur der individuelle Personenverkehr (mit dem “Privat”-PKW) und der Umstieg auf “Öffies”, die Umstellung des individuellen und öffentlichen Güter- und Personenverkehrs führt in den Diskussionen meist ein Schattendasein.

Es geht nicht um mehr Elektro-, sondern um weniger Autos schreibt Felix Dorn in der Presse vom 2021-04-01 öffnen
Neue Technik, neue Rohstoffe, neue Konflikte: Vom fragwürdigen Segen der E-Mobilität.
Statt Luxus-E-Mobile mit Umweltprämien zu bezuschussen, sollte das Ziel lauten: Nicht mehr Elektro-, sondern weniger Autos.
Gut oder doch noch nicht so gut, entscheiden Sie selbst 
Christian Spendel, allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger

Ich bin sehr froh, dass ich in meinem Beruf nur Sachverhalte beurteilen muss, die in der Vergangenheit liegen.
Sie kenne ja den Spruch, „hinterher ist man immer g ‘scheiter” Ob man das auch auf die aktuelle Mobilitätsdiskussion umlegen kann, werden wir in 10 Jahren sehen?
Ein Sachverständiger trifft allgemein gültige Aussagen über einen ihm vorgelegten oder von ihm festgehaltenen Sachverhalt. Kurz gesagt, er bewertet Vorgänge aus der Praxis als wahr, oder falsch. Jetzt versuchen wir das mal gemeinsam.

Unsere Frage lautet: „Elektromobilität ist gut, oder schlecht“? Bevor wir in die Abwägung von Pro und Contra einsteigen darf ich nur zwei Argumente aufwerfen, die wir täglich vorgetragen bekommen.
1. Die Ökobilanz des E-Autos ist um ein Vielfaches schlechter als jeder Verbrenner PKW.
2. Wir werden nie genug echte klimaneutrale Stromerzeugung zusammenbringen,
  um Elektromobilität wirklich flächendeckend umzusetzen.

Ich will jetzt wissen, ob das wirklich so ist, denn ich beschäftige mich berufsbedingt ausschließlich mit belegbaren Fakten und niemals mit Halbwissen, Annahmen oder gar Vermutungen.

Das UNITILCA Tool zum Beispiel rechnet vor, dass ein aktueller Mittelklasse DIESEL-PKW Baujahr 2020 bis zu einer rechnerischen Laufleistung von 253.000 km eine bessere C02-Bilanz (Herstellung, Betrieb, Entsorgung) aufweist als ein vergleichbares E-Auto. Dabei wird innerhalb eines Betriebszeitraums von 10 Jahren mit 15.000 km pro Jahr vom heute verfügbaren Strommix und von den heute verfügbaren Dieselkraftstoffen ausgegangen. Übrigens, UNITI steht für Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen in Deutschland.

Die AGORA Studie kommt zu dem Ergebnis, dass ein E-Auto selbst unter konservativen Annahmen für die Batterieherstellung im Jahr 2030 schon nach 150.000 km durchgehend eine bessere Klimabilanz vorweist als ein Verbrenner Auto. Übrigens, einer der Hauptgesellschafter von AGORA ist die „European Climate Foundation (ECF)“, eine Gemeinschaftsinitiative mehrerer großer, international tätiger Stiftungen aus Europa und den USA gegen die drohende Erdüberhitzung.

Ergebnis: Heute müssten wir noch über 250.000 km, in 10 Jahren nur mehr 150.000 km mit einem E-Auto fahren, um das Weltklima gegenüber dem Verbrenner weniger zu belasten. Das Klimaschutz- Potenzial wird also wesentlich davon abhängen, welche Technologien in ihrer Weiterentwicklung effizienter und ganz einfach schneller sein werden. Das gilt sowohl für erneuerbaren Strom als auch für die Weiterentwicklung von Verbrennungsmotoren (Biokraftstoffe, synthetische Kraftstoffe).
Aus heutiger Sicht schaut das natürlich ganz anders aus als im Jahr 2030, oder später. Das Problem ist aber, dass wir heute Entscheidungen auf Basis von Annahmen oder Ver-mutungen treffen, die aber erst frühestens in 10 Jahren eintreten werden. Stellen sie sich vor, sie müssen heute eine Aussage darüber treffen, welche Schule ihr Kind in 10 Jahren besuchen wird; ihr Kind ist aber noch gar nicht geboren.

Es melden sich aber immer mehr Länder mit der Ansage, Neuzulassung von Verbrenner-PKWs bis 2040, 2050 komplett zu verbieten.
Die Entscheidungsträger dort wissen also etwas, was wir heute noch nicht wissen.
Sie wis sen, dass sich die Technologie von Verbrennungsmotoren – eine Technologie mit über 100 Jahren an Entwicklungserfahrung – gegenüber der Elektromobilität langsamer und schlechter weiterentwickeln wird. Und jetzt kommen wir wieder zurück zum Sachverständigenbeweis.

Schlussfolgerung:
Und somit schließe ich daraus, dass alle Menschen, die sich 2020 ein E-Auto angeschafft haben, davon ausgegangen sind, 250.000 km damit zu fahren. Falls nicht, frage ich mal ganz vorsichtig nach, ob sie sich ihrer Klimaverantwortung eh bewusst sind?

Mein Tipp:
Weder Elektro noch Verbrenner, einfach weniger fahren und wir ersparen uns und dem Planeten die oben angeführte Diskussion.

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Medienspiegel

2021-09-15 „Ich gehe davon aus, dass der Lobautunnel kommen wird“
Porr-Chef Karl-Heinz Strauss kritisiert Straßenbaupolitik der Grünen. Auch E-Autos benötigen funktionierende Straßen(-Syteme)!

2021-09-15 Elektromobilität (wikipedia)

2021-04-01 Es geht nicht um mehr Elektro-, sondern um weniger Autos – Felix Dorn – Presse öffnen
Neue Technik, neue Rohstoffe, neue Konflikte: Vom fragwürdigen Segen der E-Mobilität.
Statt Luxus-E-Mobile mit Umweltprämien zu bezuschussen, sollte das Ziel lauten: Nicht mehr Elektro-, sondern weniger Autos.